Von der Wildnis ins Haus und zurück
Der Hund sei der beste Freund des Menschen. Manch einer mag finden, da sei etwas dran, andere wiederum nicht. Möge doch jeder glücklich werden, wie es ihm beliebt.
Der selbstgebaute Genosse
Menschen halten sich Hunde, das ist ein Umstand, der ja quasi noch älter ist als der Hund selbst. Denn der Mensch war vor dem Hund da, oder um es präziser auszudrücken: die Kategorie Mensch war vor der Kategorie Hund auf der Welt. Nicht, weil Hunde zunächst in abgeschiedenen Bergwäldern gelebt hätten und den Menschen unbekannt gewesen wären und deshalb niemand überhaupt nur auf den Gedanken an eine Kategorie „Hund“ gekommen wäre; es gab schlichtweg noch keine Hunde. Es verhält sich einfach folgendermaßen: der Mensch hat den Hund erschaffen. Nicht ganz so wie Meister Gepetto mit seiner belebten hölzernen Puppe mit dem Namen Pinocchio hat der Mensch dieses Kunststück fertig gebracht – und deshalb bekommt der Hund auch vom Lügen keine lange Nase.
Es ist viel simpler und zugleich so viel schwieriger als dies: bei dem Hund, den wir heute in vielgestaltigen Formen kennen, handelt es sich um einen Nachfahren eines der schlimmsten Feinde des Menschen: des Wolfes. Vom schlimmsten Feind zum besten Freund zu werden, ist nicht ganz einfach und liegt in diesem Falle nicht daran, dass der Zeiger ausnahmsweise in die andere Richtung ausgeschlagen hätte, sich das Gewicht verlagert hätte, um die dünne Grenze von Liebe und Hass zu überschreiten. Es handelt sich hierbei schon um die Früchte langwieriger Arbeit: der Hund ist das Ergebnis der Domestizierung des Raubtiers, oder, im Klartext ausgedrückt: der Mensch hat den Hund gezüchtet. Man muss also kein verrückter Professor, kein Frankenstein und kein Fall für die psychiatrische Klinik, da man sich seine Freunde einbildet – nein, der Mensch hat sich seinen besten Freund nach seinen eigenen Vorstellungen geschaffen, indem er einen seiner gefährlichsten Feinde kurzerhand domestiziert hat. Man könnte eine solche Beeinflussung der Evolution selbstverständlich respektlos und vermessen nennen, speziell wenn man Christ oder Tierrechtler ist. Andererseits zeugt der Umstand, dass der Mensch eine ihm zuträglichere Form des Wolfes geschaffen hat, für eine große Bewunderung für das wilde Tier. Aber, wie der Engländer sagt: „keep your friends close and your enemies closer.“ Man hatte nun also eine Waffe zum eigenen Schutze und zur Unterstützung bei der Jagd „gebaut“.
Der treulose Patron
Lustigerweise gibt es dann ja auch noch den Dingo. Verbindet man den Namen in erster Linie mit dem australischen Dingo, ist das Tier potentiell überall auf der Welt anzutreffen, wo es Hunde gibt. Gewissermaßen ist der Dingo der dem Menschen entwischte Hund, denn es handelt sich bei ihm um einen ausgewilderten Haushund. Hätte man sich informiert, wie man den Hausgenossen am besten vervöhnen kann (zum Beispiel auf: www.hundetraum.de), wäre das womöglich nicht passiert.